Politik-Forum für Jugendliche ab 14

Jugendliche lernen den Unterschied zwischen Rechtspopulismus und Protesthaltung

EIN BERICHT VON ANDREAS SUNDERMEIER
NEUE WESTFÄLISCHE 8.11. 2017

Jugendzentrum und Politik – ob das zusammen passt? „Natürlich. Unbedingt“, sagt Bernd Rammler, Leiter der Engeraner Jugendzentrums Zebra. Gerade eine frühe Sensibilisierung der Jugendlichen für Politik könne helfen, Diskussionskultur zu stärken und Missverständnisse auszuräumen. Das sei gerade angesichts der jüngsten Wahlergebnisse, des Abschneidens der AfD und der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten besonders wichtig. „Postfaktische Argument sind keine Argumente, weil die Fakten nicht stimmen“, sagt er.

Und deshalb hebt er eine neue Diskussionsrunde, in der es alle 14 Tage um das Thema Politik gehen soll, aus der Taufe: Das Zebra-Politik-Forum.
Betreut wird die Diskussionsrunde an jedem Montagabend von 17 bis 18.30 Uhr von Franziska Groß. Die 25-Jährige studiert derzeit im siebenten Semester an der Uni Bielefeld Erziehungswissenschaften und im Nebenfach Soziologie. Sie hat im Zebra ihr Praktikum gemacht und arbeitet dort jetzt als Honorarkraft.

Ihr Anliegen: „Hier wollen wir nicht Politik im schulischen Sinn vermitteln. Hier schaffen wir einen Ort, an dem die Leute ab 14 einfach mal darüber sprechen, was sie beschäftigt. Es geht um die Menschen. Es geht um die Gesellschaft. Wir wollen klar machen, dass sie über die Politik und die Wahlen nicht nur Einfluss auf die Gesellschaft haben, sondern damit auch die Gesellschaft auf sie.“
„Rechtsradikale Phrasen sind hier nicht diskutierbar“
Und sie wolle zeigen, dass die Jugendliche spätestens bei der nächsten Wahl berechtigt seien, selbst aktiv daran mitzuwirken. Sie will den jungen Menschen aber auch aufzeigen, dass die bereits jetzt über Demos oder die Mitwirkung in Jugendparlamenten Einfluss auf die Politik und Gesellschaft haben könnten.
Bernd Rammler ist zudem die politische Diskussion wichtig. Hier könne jeder seine Meinung vertreten. Doch setzt er dabei politische Fairness voraus. „Rechtsradikale Phrasen sind hier nicht diskutierbar.“
Behauptungen werden gegengecheckt
Doch habe natürlich jeder jederzeit die Möglichkeit, seine Meinung und seine Fragen zu äußeren. Jeder müsse jedoch damit rechnen, dass strittige Behauptungen oder Zahlen auch gegengecheckt werden. Das gelte auch für die Meinungen, die die jungen Menschen von ihren Eltern übernommen hätten. Sie sollten auch bereit sein, zu lernen, was es heißt, zu differenzieren.
Rammler war gerade zum Zeitpunkt der jüngsten Bundestagswahl besonders sensibilisiert worden. Da habe es eine Schule gegeben, in der bei einer „Probeabstimmung“ 14- bis 16-Jährige das Ergebnis der Bundestagswahl vorweg genommen hätten. Rammler: „Inklusive des Stimmenanteils der AfD.“
Er sieht es als seine Aufgabe, die Jugendlichen auf dem Weg zu einer politischen Reife zu begleiten.

BILDUNTERSCHRIFT: Diskussionsleiter und Erklärer: Bernd Rammler und Franziska Groß laden zur Diskussion darüber ein, wie sich Politik auf den Alltag auswirkt. Und wie Menschen sie beeinflussen; und sie Menschen beeinflusst. | © Andreas Sundermeier

Politik-Forum für Jugendliche ab 14

Gerade in der jüngst vergangenen Wahlperiode, sagt Bernd Rammler, seien die Klarheit und Abgrenzung untereinander bei den Parteien zu kurz gekommen. Vieles sei schwammig geblieben, nicht deutlich genug und oft zu wenig authentisch.

Genau hier soll das Zebra-Projekt ansetzen. Differenzierung und ein Klima, in dem auch Ängste und Sorgen benannt und besprochen werden dürften, seien jetzt dringend angezeigt. Er fordert ein, die Jugendlichen auf dem Weg zur politischen Reife adäquat zu begleiten. Und er und sein Team im Zebra erachten es als wichtig, „diesen Weg jenseits von Hass und Rechtspopulismus auf der Ebene einer zugewandten, ehrlichen demokratischen zivilcouragierten Auseinandersetzung zu führen.“

Der Ort dafür sei das Politik-Forum im Zebra. Es soll offen diskutiert und debattiert werden. Rammler: „Alles kommt auf den Tisch. Alle Fragen werden gestellt, alle Unsicherheiten genannt, nichts wird verschwiegen.“
(nw/-as)

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